Tina Frauberger im Mühlenhof zu Münster

Das 1959/60 von Theo Breider (1903-1993) gegründete Mühlenhof-Freilichtmuseum am Innenstadtrand von Münster bewahrt und vermittelt in ganz eigener Art Kultur und Geschichte des Münsterlandes. Über 30 große und kleine historische Bauten wurden von ihren ursprünglichen Standorten ins Mühlenhof-Freilichtmuseum am Aasee versetzt und mit historischem Sammlungsgut ausgestattet. Hier begegnet man dem Münsterland vergangener Zeiten: im Flett des großbäuerlichen Gräftenhofes aus dem Jahre 1720, im Mühlenhaus mit offener Feuerstelle und "Westfälischem Himmel", in der Dorfschmiede und anderen bäuerlichen Gewerken, in der Landschule, im Bauerngarten, im Dorfladen, im Backhaus oder in den diversen großen und kleinen Stallungen, Speichern, Remisen und Werkstätten, oft kombiniert mit Präsentationen alten Handwerks. Das attraktive Jahresprogramm ist mit zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen, Vorführungen, Handwerkermärkten usw. sehr vielseitig und umfangreich. Der Mühlenhof in seiner dörflichen Idylle und seiner Vielseitigkeit ist eine allseits beliebte Ausflugsstätte für alt und jung geworden. Engagierte Frauen der Region stellen hier auf der Tenne im schönen, alten Gräftenhof alljährlich alte Handarbeitstechniken vor, u. a. Weben, Klöppeln und Occhi. So organisieren Margret Hölscher und Maria Schulenkorf Occhi-Tagesausstellungen mit Vorführungen. Seit 15 Jahren zeigen jeweils im Oktober von der Schiffchenarbeit begeisterte Frauen ihre mit großer Liebe und Hingabe gefertigten feinen Handarbeiten. Traditionelles und Neuartiges, Dekoratives und Praktisches war zu bestaunen. Kursleiterinnen führten interessierten Besucherinnen diese Handarbeitstechnik vor und gaben Hinweise zu speziellen Techniken. Die zarten Spitzenarbeiten inmitten alter bäuerlicher und handwerklicher Kultur waren ein reizvoller Gegensatz. In diesem Jahr war ein besonderer Anziehungspunkt die kleine Tina-Frauberger-Ausstellung. Die Textilkünstlerin, Gewerbelehrein, Kustodin und Fachbuchautorin Tina Frauberger (1861-1937), hat sich mit ihrem einmaligen "Handbuch der Schiffchenspitze" (1917-1921) um die Bewahrung und Entwicklung der Schiffchenspitze außerordentliche Verdienste erworben. Die beiden Bändchen ihres Standardwerkes "Handbuch der Schiffchenspitze" sind heute eine Rarität, in großen Bibliotheken wie auch in Spezialbibliotheken kaum zu finden und auf dem antiquarischen Büchermarkt selten und zu hohen Preisen angeboten. Nahezu hundert Jahre nach der ersten und einzigen Auflage wird ein weiteres Standardwerk "Handbuch der Spitzenkunde" im Jahr 1984 als Reprint in der Edition "libri rari" vom Verlag Th. Schäfer in Hannover herausgebracht. 1994 erscheint in den "Spitzenblättern" erstmals eine Veröffentlichung über Tina Fraubergers Leben und Werk. Weitere Darstellungen erscheinen in der Folgezeit im "Düsseldorfer Jahrbuch" u. in anderen einschlägigen Zeitschriften. Auf den jährlichen Occhi-Ausstellungen in Horstmar stellen Frauberger-Enthusiasten regelmäßig Occhi-Arbeiten nach Tina Frauberger vor. Die Schriftenreihe "Doppelknoten", hrsg. v. Christel Wutzmer und Agnes Focke, bringt in Nr. 6 (2002) "Schneekristalle und Sterne nach Tina Frauberger". 2003 erfolgt vom "Handbuch der Schiffchenspitze" erstmals eine Reprintausgabe. 2005 wird auf dem 23. Klöppelspitzen-Kongress in Weingarten (BW) ein Teil der in Stuttgart aus dem Nachlass versteigerten Spitzen-Sammlung Tina Frauberger (aus dem Besitz von Eva-Maria Ohl) einer breiten Öffentlichkeit präsentiert und ein Ausstellungskatalog vorgelegt. Auf der 2. Süddeutschen Occhi-Ausstellung im September 2005 in Achern werden Frauberger-Muster und eine kleine Übersicht über Leben und Werk gegeben. Hier nun auf der Tenne des historischen Gräftenhofes präsentieren Christel Wutzmer und Agnes Focke interessante Exponate: eine Biographie Tina Fraubergers, ihre Standardwerke (im Original und als Reprint), eine Übersicht ihrer Veröffentlichungen, Literatur zu Tina Frauberger, Nacharbeiten und Adaptionen ihrer Occhi-Muster sowie Original-Abbildungen aus ihrem "Handbuch der Schiffchenspitze". Diese Präsentation im Mühlenhof zählt so zu den ersten öffentlichen Würdigungen Tina Fraubergers auf dem Gebiet der Schiffchenarbeit. Informationen zu Tina Frauberger und lieferbare Publikationen siehe http://www.chriwu.de. Hinweise über weitere Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktionen im Mühlenhof siehe http://www.muehlenhof-muenster.de.