3. Occhi-Ausstellung im Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster am 13. Oktober 2002

Das 1959/60 gegründete Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster in der idyllischen Parklandschaft am Aasee ist ein Museum ganz eigener Art: Es bewahrt und vermittelt sehr lebendig bäuerliche, handwerkliche und häusliche Kultur und Geschichte des Ems- und Westfalenlandes. Hier begegnet man dem Münsterland vergangener Zeiten: im Flett des großbäuerlichen Gräftenhofes aus dem Jahre 1720, im Mühlenhaus mit offener Feuerstelle und 'Westfälischem Himmel', in der Dorfschmiede und anderen bäuerlichen Gewerken, in der Landschule, im Bauerngarten, im Dorfladen oder in den diversen großen und kleinen Stallungen, Speichern und Remisen, oft kombiniert mit Präsentationen alten Handwerks. So ist denn der Mühlenhof in seiner dörflichen Idylle und seiner Vielseitigkeit eine allseits beliebte Ausflugsstätte für alt und jung geworden.
Wer sich für Handarbeiten und Textilien aller Art interessiert, findet in 'Webers Kotten' (einem Vierständerbau von 1753) auf der früheren "Deele" und in der 'Upkamer' eine sorgfältig und liebevoll aufgebaute Dauerausstellung 'Weibliche Handarbeiten 1850-1939'. Hier erhält man vielfältige Einblicke in die Handarbeitskultur und in den Frauenalltag vergangener Zeiten: Handarbeitsunterricht mit Mustertüchern (Stick-, Stopf- und Flicktücher), Häkelarbeiten, Stickereien (u. a. Hardanger, Bunt- und Weißstickerei, Richelieu, Monogramme, Kreuzstich usw.), bäuerliche und feine Handarbeiten für Aussteuer, Leib-, Tisch- und Haus-haltswäsche, Schrankbrettstreifen und Wäschebänder, Gardinen und Vorhänge, Wandbehänge und Wandschoner, Bettdecken, Überhandtücher, Tischdecken- und -läufer, Servietten, Kissen, Beutel, Taschen, Schondeckchen, Hüllen und Bezüge usw. usw. All diese Wäschestücke sind nicht nur selbst genäht, sondern auch mit Spitzen, Einsätzen, Stickereikanten, Besätzen, Biesen und Volants ausgestattet und gezeichnet, wofür viel Ausdauer, Sorgfalt, technisches Können, Phantasie und Formensinn erforderlich waren.
Bei all den vielfältigen Handarbeiten fehlt auch die Schiffchenspitze (= Frivolitätenarbeiten = Occhi) nicht. Wurden in der Vergangenheit Einsätze für feine Wäsche, Taschentuchspitzen, Kinderhäubchen, Kragen und Bäffchen angefertigt, besinnt man sich heute wieder auf diese alte Handarbeitstechnik, findet aber zeitgemäße Anwendungen. Seit 10 Jahren besteht in und um Münster eine kleine Occhi-Gemeinschaft, welche zunächst im kleineren Rahmen ihre Werke vorstellte, bis diese Ausstellungen im Mühlenhof eine feste Tradition wurden. Unter der Schirmherrschaft des Vereinsvorsitzenden von 'De Bockwindmüel e.V.', Herrn Willi Niemann, organisieren Margret Hölscher und Maria Schulenkorf alljährlich diese Tagesausstellungen mit Vorführungen. So fand am 13. Oktober 2002 bereits die 3. Occhi-Ausstellung im Gräftenhof des Freilichtmuseums statt. 'Deele' und 'Flett' des Gräftenhofes boten eine besondere Atmosphäre: Im Hintergrund von bäuerlichen, handwerklichen und hauswirtschaftlichen Gerätschaften stellten 14 Ausstellerinnen ihre vielfältigen Schiffchenarbeiten vor. Neben traditionellen Deckchen, Läufern usw. waren vor allen Dingen weihnachtliche Occhi-Arbeiten zu bewundern: Engel, Krippen, Glocken, Kugeln, Sterne, Grußkarten usw., mit interessanten Garnen und mit neuen Techniken gearbeitet. Einen besonderen und persönlichen Reiz erhielt die Ausstellung durch das Vorführen dieser Spitzentechnik, was viele Besucher anlockte. Hinweise über weitere Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktionen erhält man über das Internet ( http://www.muehlenhof-muenster.de )
Die nächste Occhi-Ausstellung im Mühlenhof ist am 12. Oktober 2003 von 11-17 Uhr.